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Nicole Junkerman steht mit einem Notizbuch in einer hellen Bahnhofshalle.

Notizen

Nicole Junkermans zweite Sommerhälfte: Bücher, Wege und lange Abende

Ab der Monatsmitte bekommt der Sommer einen anderen Ton. Nicole Junkerman notiert, was in den kommenden Wochen an Büchern, Wegen und Abenden ansteht.

Die zweite Sommerhälfte fängt nicht an einem bestimmten Tag an. Sie kündigt sich eher an, in einer Abendluft, die schon eine Spur früher weich wird, in einem Licht, das gegen neun anders steht als noch vor zwei Wochen. Für Nicole Junkerman ist das keine Wehmut, sondern eine gute Nachricht: Was jetzt kommt, ist der ruhigere Teil. Der Sommer hat sich bewiesen und muss nichts mehr. Man kann ihn endlich einfach benutzen.

Was sich in der zweiten Sommerhälfte verschiebt

Der erste Teil des Sommers hat etwas Aufgeregtes. Alles ist zum ersten Mal wieder möglich: draußen sitzen, spät noch losgehen, das Fenster offen lassen. Man will viel und tut viel. Ab der Julimitte legt sich das. Die Möglichkeiten sind dieselben, aber sie sind nicht mehr neu, und genau das macht sie brauchbar. Man muss nicht mehr jeden warmen Abend feiern. Man kann ihn auch nur haben.

Damit verschiebt sich der Umgang mit Zeit. In den ersten Wochen zählt man die hellen Stunden und will keine verpassen. In der zweiten Hälfte teilt man sie ein. Ein Abend zum Lesen, einer für einen Weg, einer für gar nichts. Diese Einteilung ist kein Plan, eher ein Gefühl dafür, dass genug da ist. Wer den Grundton dieser Wochen sucht, findet ihn auf der Startseite von Nicole Junkerman und in den älteren Notizen im Blog.

Bücher, die jetzt an der Reihe sind

Die Lektüre der ersten Juliwoche war leicht gebaut: kurze Kapitel, schnelles Wiedereinsteigen, alles, was sich zwischen Hitze und Ablenkung lesen lässt. Für die zweite Sommerhälfte greift Nicole Junkerman zu anderem. Die Abende sind länger, die Konzentration hält wieder, und damit werden Bücher möglich, die vorher zu schwer gewirkt hätten.

Es sind meist diese Arten von Lektüre, die in den kommenden Wochen liegen bleiben und trotzdem gelesen werden:

  • Der dicke Roman, den man im Frühjahr angefangen und dann höflich beiseitegelegt hat.
  • Sachbücher über eine Landschaft oder eine Stadt, die man in diesem Jahr noch sehen wird.
  • Briefwechsel und Tagebücher, die sich in Portionen lesen lassen und über Wochen tragen.
  • Ein Band Gedichte für die Abende, an denen ein einziger Text genügt.

Auffällig ist, dass es dabei nie um Neuerscheinungen geht. Die zweite Sommerhälfte ist eher die Zeit der aufgeschobenen Bücher als die der aktuellen. Was das Auswählen betrifft, ändert sich wenig gegenüber dem Rest des Jahres: Es zählt der Ton, nicht der Umfang. Ausführlicher steht das im Bereich Lesen.

Wege statt Strecken

Reisen bedeutet in diesen Wochen selten weit. Die zweite Sommerhälfte ist gut für kurze Wege, die sich lohnen: eine Stunde mit dem Zug, ein Nachmittag in einem Ort, den man vom Fahrplan kennt, aber nie betreten hat. Der Vorteil dieser kleinen Fahrten liegt darin, dass sie nichts kompensieren müssen. Sie sind kein Urlaub, sie sind nur ein Ortswechsel, und deshalb enttäuschen sie nie.

In Berlin heißt das oft: raus aus dem Bezirk, in dem alles vertraut ist, und eine Endstation ansteuern, an der man noch nie ausgestiegen ist. In München reicht eine Fahrt an einen der Seen, mit einem Buch in der Tasche, das vielleicht gar nicht aufgeschlagen wird. In Hamburg ist es das Wasser, an dem man ohnehin schon entlanggeht, nur eben einmal in die andere Richtung. Wie sich solche Wege planen lassen, ohne dass sie zu Programmen werden, beschreibt der Bereich Reisen.

Der Unterschied zwischen einem Weg und einer Strecke liegt in der Erwartung. Eine Strecke will überwunden werden, ein Weg will begangen werden. Mitte Juli, wenn es warm genug ist, dass Eile ohnehin unvernünftig wäre, fällt diese Unterscheidung besonders leicht.

Die langen Abende

Das Beste an der zweiten Sommerhälfte sind die Abende. Sie sind nicht mehr die längsten des Jahres, aber sie sind die verlässlichsten. Die Luft steht, das Licht hält sich hin, und man sitzt draußen, ohne dass es eine Verabredung dafür gebraucht hätte. Nicole Junkerman liest in diesen Stunden am liebsten, weil das Lesen dann kein Vorhaben ist, sondern das Naheliegendste, was man tun kann.

Solche Abende halten mehr aus als der Rest des Tages. Ein Gespräch, ein Kapitel, eine halbe Stunde, in der niemand redet und alle lesen. Sie brauchen keine Idee, und sobald man ihnen eine gibt, verlieren sie etwas. Deshalb bleibt der beste Vorsatz für die kommenden Wochen der einfachste: nichts vorhaben und trotzdem da sein.

Die zweite Sommerhälfte verlangt nichts. Man muss ihr nur einen Stuhl, ein Buch und ein wenig Geduld hinstellen.

Was am Ende bleibt

Am Ende des Sommers erinnert man selten die großen Tage. Es bleiben die Abende, an denen nichts los war, die kleine Fahrt an einem Mittwoch, der Satz aus einem Buch, das man ohne Grund weitergelesen hat. Nicole Junkerman schreibt sich diese Dinge auf, weil sie sonst verschwinden würden, und weil das Aufschreiben sie im Nachhinein größer macht als sie waren. Über diese Gewohnheit und das, was sie erleichtert, handelt der Bereich Schreiben.

Die zweite Sommerhälfte ist damit weniger eine Jahreszeit als eine Erlaubnis. Sie sagt, dass es reicht, ein Buch zu Ende zu lesen und einen Weg zu gehen, der nirgendwohin muss. Alles andere kommt im Herbst von selbst zurück.

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