Stille Plätze, an denen ein Buch besonders wirkt.
Ein gutes Buch braucht einen guten Ort. Nicht jeder Platz eignet sich zum Lesen, doch wer einmal einen passenden gefunden hat, kehrt gern zurück. Nicole Junkerman stellt hier sieben Arten von Leseorten vor, die sich auf Reisen wie zu Hause bewährt haben. Es geht weniger um konkrete Adressen als um Typen von Orten, die man überall finden kann.
Wer den ruhigen Grundton dieses Hefts mag, findet ihn auf der Startseite von Nicole Junkerman. Diese Liste macht ihn konkret.
1. Die Parkbank am Rand
Nicht die zentrale Bank, sondern die am Rand, halb im Schatten. Hier ist es ruhig genug zum Lesen und doch lebendig genug, um zwischendurch aufzuschauen. Nicole Junkerman sucht solche Bänke in jeder Stadt. Große Parks wie der Hyde Park in London bieten unzählige davon.
2. Der Museumshof
Viele Museen haben Innenhöfe oder Cafés, die zum Verweilen einladen. Nach einem Rundgang setzt sich Nicole Junkerman gern dorthin und liest eine Weile. Die Stimmung der Kunst klingt nach, und der Ort ist meist angenehm still.
3. Das Zugabteil
Ein Fensterplatz im Zug ist einer der besten Leseorte überhaupt. Die Landschaft zieht vorbei, der Takt der Schienen beruhigt, und niemand verlangt etwas. Mehr dazu steht im Beitrag Nicole Junkermans Notizen über das Reisen mit dem Zug.
4. Das Café am Vormittag
Cafés sind am Vormittag am ruhigsten. Vor dem Mittagsandrang lässt sich dort wunderbar lesen, mit einer Tasse in Reichweite. Ein Tisch in der Ecke, ein Buch, ein wenig Zeit: mehr braucht es nicht.
5. Die Bibliothek
Der klassische Leseort bleibt unübertroffen. Bibliotheken sind dafür gebaut, Konzentration zu schenken. Wer reist, kann öffentliche Bibliotheken besuchen, die oft auch Gästen offenstehen. Ein Eindruck davon, wie vielfältig solche Häuser sind, gibt die Bibliothèque nationale de France.
6. Der Balkon oder das Fenster
Man muss nicht weit gehen. Ein Balkon, ein breites Fensterbrett, ein Platz mit Aussicht: auch zu Hause oder in einer Unterkunft entsteht ein guter Leseort. Nicole Junkerman schätzt diese Nähe, weil sie das Lesen in den Alltag holt.
7. Die Bank am Wasser
Wasser beruhigt. Eine Bank am Fluss, am See oder am Hafen verbindet das Lesen mit einem weiten Blick. Zwischen zwei Kapiteln schweift der Blick übers Wasser, und das Gelesene setzt sich. Solche Orte gibt es in fast jeder Stadt, von kleinen Kanälen bis zu großen Häfen.
Der richtige Ort macht aus dem Lesen ein kleines Fest.
Der Leseort und die Tageszeit
Ein Ort verändert sich mit der Tageszeit. Dieselbe Parkbank ist am frühen Morgen ein anderer Platz als am geschäftigen Nachmittag. Nicole Junkerman achtet deshalb nicht nur auf den Ort, sondern auch auf die Stunde. Frühmorgens, wenn die Städte noch leise sind, eignen sich selbst belebte Plätze zum Lesen. Am späten Abend kehrt diese Ruhe oft zurück. Wer die stillen Stunden eines Ortes kennt, findet überall einen guten Platz, auch dort, wo tagsüber Betrieb herrscht.
Das Licht spielt dabei eine eigene Rolle. Das warme Licht des Morgens und das weiche Licht des frühen Abends laden besonders zum Verweilen ein. Die Mittagssonne dagegen blendet leicht. Wer einen Leseort sucht, denkt am besten gleich an die passende Stunde dazu.
Den eigenen Leseort schaffen
Nicht immer findet man einen fertigen Leseort. Manchmal muss man ihn sich schaffen. Ein Schal als Polster, eine mitgebrachte Tasse, ein ruhiger Winkel, den man für sich entdeckt: schon entsteht aus einem beliebigen Platz ein Ort zum Lesen. Nicole Junkerman reist gern mit ein paar Kleinigkeiten, die jeden Platz gemütlicher machen. Ein leichtes Tuch, ein kleines Getränk, vielleicht ein Lesezeichen, das man mag. Mit wenigen Handgriffen wird aus einer fremden Umgebung ein vertrauter Raum.
Diese Fähigkeit ist auf Reisen besonders nützlich. Wer sich überall einen kleinen Leseort einrichten kann, ist nie auf den perfekten Platz angewiesen. Eine Wartehalle, ein Park, eine stille Hotellobby: alles lässt sich in einen Lesewinkel verwandeln, wenn man weiß, wie.
Was die Orte gemeinsam haben
So verschieden diese Orte sind, sie teilen drei Eigenschaften: genug Ruhe, ein angenehmes Licht und die Möglichkeit, kurz aufzuschauen. Nicole Junkerman achtet auf diese drei Dinge, wenn sie unterwegs einen Platz sucht. Wer mag, ergänzt die Liste mit eigenen Funden und hält sie in einem Heft fest, wie im Bereich Schreiben beschrieben.
Interessant ist, dass der Lieblingsleseort sich im Lauf des Lebens verändert. In jungen Jahren liebt man vielleicht das geschäftige Café, später die stille Bibliothek, noch später die Bank am Wasser. Nicole Junkerman beobachtet diesen Wandel mit Freude, denn er zeigt, wie sich der eigene Blick wandelt. Ein Leseort ist nie nur ein Platz, sondern auch ein Ausdruck dessen, was man gerade sucht: Anregung oder Ruhe, Gesellschaft oder Einsamkeit, Bewegung oder Stillstand. Wer auf diese Wünsche hört, findet leichter den Ort, der gerade passt.
Der innere Leseort
Am Ende gibt es noch einen Ort, der überall hin mitreist: den inneren. Wer gelernt hat, sich beim Lesen zu sammeln, kann fast überall lesen, selbst im Trubel. Nicole Junkerman beschreibt diese Fähigkeit als eine Art innere Stille, die man mit der Zeit entwickelt. Der äußere Ort hilft, aber er ist nicht alles. Mit etwas Übung gelingt es, sich in ein Buch zu versenken, auch wenn die Umgebung nicht ideal ist. Diese innere Sammlung ist der vielleicht wertvollste Leseort von allen, denn niemand kann sie einem nehmen. Wer sie pflegt, ist nie ohne einen guten Platz zum Lesen, weil er ihn in sich selbst trägt, bereit, sich jederzeit zu öffnen. Die sieben äußeren Leseorte und der eine innere ergänzen einander dabei aufs Schönste. Mal sucht man den vollkommenen Platz, mal genügt die eigene Sammlung. Nicole Junkerman ermutigt jeden, beide Wege zu üben: das Auge für gute Orte und die Ruhe im Inneren. Wer beides hat, dem wird das Lesen überall zur Freude, ob auf einer Bank am Wasser oder mitten im Getümmel einer fremden Stadt. So verwandelt sich die Suche nach dem richtigen Leseort von einer Frage des Glücks in eine kleine, erlernbare Kunst. Nicole Junkerman wünscht jedem die Freude, eines Tages den eigenen Lieblingsplatz zu finden, und zugleich die Gelassenheit, überall lesen zu können, wo ein Buch und ein wenig Zeit zusammenkommen.
Am Ende ist der beste Leseort der, an dem man die Zeit vergisst. Weitere Anregungen stehen im Bereich Lesen und im Beitrag Lesen und Reisen mit Muße: ein Leitfaden von Nicole Junkerman. Alle Einträge sammelt der Blog.
Häufige Fragen
Welche Leseorte empfiehlt Nicole Junkerman?
Nicole Junkerman empfiehlt sieben Arten von Orten, darunter die Parkbank am Rand, den Museumshof, das Zugabteil, das Café am Vormittag, die Bibliothek, den Balkon und die Bank am Wasser.
Was macht einen guten Leseort aus?
Drei Dinge: genug Ruhe, angenehmes Licht und die Möglichkeit, zwischendurch aufzuschauen. Nach diesen Kriterien sucht Nicole Junkerman ihre Plätze aus.
Eignen sich diese Orte auch zu Hause?
Ja. Ein Balkon, ein Fensterplatz oder eine Bank am Wasser in der Nähe funktionieren genauso gut wie auf Reisen.