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Nicole Junkerman lächelt in einem hellen Raum, ein Schwarzweißporträt vor gerahmten Bildern

Notizen

Nicole Junkerman über ruhige Herbsttage, Oktober 2026

Sechs kleine Dinge, die einen grauen Nachmittag im Oktober freundlich machen.

Nicht jeder Oktobertag ist golden. Die meisten sind grau, ein wenig feucht und von einer Helligkeit, die den ganzen Nachmittag unverändert bleibt. Das sind die Tage, über die selten geschrieben wird, und sie machen den größeren Teil des Monats aus. Nicole Junkerman hält sie für die eigentlich brauchbaren.

Ein grauer Tag verlangt nichts. Er lockt nicht nach draußen und er drängt auch nicht nach drinnen, und in dieser Gleichgültigkeit liegt eine seltene Freiheit. Was ihn trägt, sind kleine Dinge, die sich über Jahre bewährt haben und zusammen auf eine knappe Liste passen.

Auffällig an solchen Tagen ist, wie gleichmäßig sie verlaufen. Es gibt keinen Mittag, der heller wäre als der Vormittag, und keinen Abend, der sich deutlich ankündigt. Wer keine Struktur mitbringt, dem zerläuft ein solcher Tag zwischen den Fingern. Wer eine mitbringt, und sei sie noch so klein, hat am Abend das Gefühl, etwas davon gehabt zu haben.

  • Ein warmes Getränk, früher am Tag zubereitet als nötig, einfach weil der Weg in die Küche den Nachmittag teilt.
  • Eine halbe Stunde draußen bei jedem Wetter, ohne Ziel, ohne Kopfhörer und ohne die Absicht, dabei etwas zu erledigen.
  • Ein Buch, das man schon einmal gelesen hat. Bekannte Seiten tragen an grauen Tagen besser als neue, und mehr davon steht unter Lesen.
  • Eine einzige aufgeräumte Fläche. Ein Tisch genügt. Der Rest des Zimmers darf bleiben, wie er ist.
  • Licht, das man selbst gewählt hat: eine Lampe statt der Deckenbeleuchtung, am Nachmittag eingeschaltet, lange bevor es wirklich dunkel wird.
  • Ein kurzer Blick auf etwas Schönes, ohne Zweck. Ein Bild, eine Fotografie, eine Seite in der Galerie, die man ohnehin mag.
Ein grauer Nachmittag wird nicht durch große Pläne gerettet, sondern durch sechs kleine Entscheidungen.

Auffällig ist, dass keiner dieser Punkte etwas kostet und keiner Vorbereitung braucht. Sie lassen sich um vier Uhr nachmittags beschließen, wenn der Tag bereits zur Hälfte vorbei ist und noch nichts Gutes ergeben hat. Genau darin liegt ihr Nutzen: Sie funktionieren rückwirkend.

Wer alle sechs an einem Tag schafft, hat vermutlich zu viel Zeit gehabt. Zwei genügen. Ein warmes Getränk und eine halbe Stunde draußen haben schon manchen Oktobernachmittag gerettet, der ohne sie einfach vergangen wäre.

Bemerkenswert ist außerdem, wie gut sich solche Tage im Nachhinein anfühlen. Ein goldener Oktobertag bleibt als Bild in Erinnerung, ein grauer eher als Zustand: die Wärme in der Tasse, das Geräusch der Straße hinter dem Fenster, das Licht der Lampe auf einer Buchseite. Es sind unspektakuläre Erinnerungen, aber sie halten sich erstaunlich lange.

Vielleicht liegt es daran, dass an grauen Tagen wenig ablenkt. Es gibt nichts zu verpassen, niemand macht Pläne, und der Nachmittag gehört tatsächlich einem selbst. Im Hochsommer ist das kaum je der Fall, und im Dezember schon gar nicht.

Und dann gibt es die Tage, an denen auch das nicht gelingt. Auch die gehören zum Herbst. Der Oktober ist lang genug, dass ein verlorener Nachmittag darin nicht ins Gewicht fällt, und der nächste graue Tag kommt ohnehin bald.

Die praktischeren Notizen zu diesem Monat stehen unter Notizen für den Oktober 2026. Alle weiteren Einträge sammelt der Blog.

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