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Nicole Junkerman, Porträt, Städte im Oktoberlicht

Notizen

Nicole Junkerman über Städte im Oktoberlicht

Drei deutsche Städte sehen im Oktober anders aus als im Sommer, und sie zeigen in diesen Wochen mehr von sich.

Städte haben Jahreszeiten, auch wenn sie aus Stein gebaut sind. Im Oktober steht die Sonne flacher, die Blätter geben die Fassaden frei, und die Luft ist klar genug, dass man weiter sieht als sonst. Nicole Junkerman hält diese Wochen für die ehrlichste Zeit, um eine Stadt anzusehen.

Warum das Licht alles verschiebt

Im Sommer kommt das Licht von oben und macht alles gleich hell. Im Oktober kommt es von der Seite, und damit kehrt der Schatten zurück. Eine Fassade bekommt wieder Tiefe, eine Straße bekommt eine Richtung, und ein Platz, der im Juli flach wirkte, hat plötzlich einen Vordergrund.

Dazu kommt, dass die gute Stunde kurz ist. Zwischen dem späten Vormittag und dem frühen Nachmittag liegt ein überschaubares Fenster, in dem alles stimmt. Wer es nutzt, sieht eine Stadt von ihrer besten Seite, und wer es verpasst, bekommt sie an diesem Tag nicht zurück.

Auch die Menschen auf den Straßen verändern das Bild. Im Oktober ist niemand mehr auf Durchreise. Wer unterwegs ist, hat ein Ziel, und eine Stadt, in der alle ein Ziel haben, bewegt sich anders als eine, die sich den Sommer über treiben lässt.

Berlin, wo die Weite sichtbar wird

In den breiten Straßen wirkt das tiefe Licht am stärksten, weil es weit hineinreicht. Der Himmel liegt über der Stadt wie eine zweite Fläche, und die Entfernungen, die im Sommer erschöpfen, werden im Herbst zum eigentlichen Thema. Notizen dazu stehen unter Berlin.

München, wo die Wege kurz bleiben

Hier zeigt der Oktober eine andere Qualität. Die Entfernungen sind kleiner, die Luft ist an klaren Tagen auffallend scharf, und die Türme bekommen Kanten, die sie im Dunst des Sommers verlieren. Ein Nachmittag reicht für mehr als anderswo. Notizen dazu stehen unter München.

Hamburg, wo das Wasser das Licht nimmt

Am Wasser verdoppelt sich im Herbst alles. Der Himmel liegt zweimal da, der Backstein wird in diesen Wochen dunkler und wärmer zugleich, und ein grauer Tag ist hier kein verlorener Tag, sondern der passende. Notizen dazu stehen unter Hamburg.

Was davon bleibt

Nicole Junkerman nimmt aus solchen Nachmittagen selten eine Liste mit. Was bleibt, sind zwei oder drei Stellen, an denen das Licht zufällig richtig stand, und die Gewissheit, dass man an derselben Stelle im Juli nichts gesehen hätte.

Alle drei Städte haben gemeinsam, dass sie im Herbst weniger verstecken. Die Terrassen sind abgeräumt, die Bäume geben die Häuser frei, und was im Sommer hinter Blättern und Markisen lag, steht wieder offen da. Eine Stadt im Oktober anzusehen heißt, sie ohne Dekoration anzusehen.

Dass die Tage kürzer sind, stört dabei weniger als erwartet. Ein Nachmittag mit vier guten Stunden ist leichter zu füllen als ein Sommertag mit vierzehn, und am Abend ist man nicht erschöpft, sondern fertig.

Vorbereiten lässt sich daran wenig. Es genügt, im Oktober eine Stunde früher loszugehen als gewohnt und unterwegs nichts weiter vorzuhaben. Weitere Wege und Notizen stehen unter Reisen und gesammelt im Blog.

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